SINEE Cast · Folge 7
Gregor Tresher über Remixe für The Cure, Sven Väth und seinen größten Hit Thousand Nights
Gregor Tresher hat für The Cure und Depeche Mode remixt, mit Sven Väth ein Album produziert und mit Thousand Nights einen Techno-Klassiker geschrieben. Im SINEE Cast reden wir darüber, wie Streaming und KI die Musik verändern und warum das echte Handwerk trotzdem bleibt.
Es gibt Produzenten, die reden über Techno wie über eine Ware. Und es gibt Gregor Tresher, der beim Reden über Musik nach eigener Aussage regelmäßig Gänsehaut bekommt. In Folge 7 des SINEE Cast sitzt einer am Mikrofon, der seit 1996 produziert, seit 2004 hauptberuflich auflegt und trotzdem noch fast jede Nacht im Studio steht.
Wir sprechen über die großen Veränderungen der letzten Jahre: den Streaming-Zwang, der Tracks immer kürzer macht, den Einzug von KI ins Studio und die Frage, was ein Release heute überhaupt noch bedeutet. Und wir reden über die Momente, die man nicht kaufen kann, einen Remix für The Cure und ein gemeinsames Album mit Sven Väth.
Vinyl gegen Streaming: was heute ein Release ist
Für Gregor ist der Fall klar und gleichzeitig widersprüchlich. 99 Prozent seiner Musik entsteht in der Box, der Hauptmarkt ist digital, und Streaming hat für ihn echte Vorteile. Alte Nummern werden wieder gehört, Menschen entdecken seinen Katalog neu. Trotzdem fühlt sich ein Release für ihn erst dann echt an, wenn er ihn in der Hand halten kann.
Es geht ihm dabei nicht um Nostalgie, sondern um Wertigkeit. Das Artwork, das Handling, ein Label, das gewissenhaft arbeitet. Genau das, was in der Welt der 50 mal 50 Pixel großen Thumbnails, am besten noch KI-generiert, verloren zu gehen droht.
Wenn es nicht auf physischen Tonträger kommt, dann ist es nicht so richtig ein Release. Was natürlich viel Käse ist, aber so fühlt es sich für mich an. Gregor Tresher im SINEE Cast #7
Warum Tracks immer kürzer werden
Das vielleicht spannendste Thema der Folge: der Einfluss der Plattformen auf die Musik selbst. Alben orientieren sich in ihrer Länge bis heute an den Spezifikationen der CD, obwohl die Scheibe praktisch tot ist. Gleichzeitig werden Tracks immer kürzer, teilweise nur noch Drop und Break in eineinhalb Minuten, um in Playlists zu kommen und die nötige Abspielquote schneller zu erreichen.
Gregor spielt dieses Spiel nur zum Teil mit. Wenn ein Label eine Short-Edit will, überlegt er, ob der Track die Kürzung verträgt, oder ob er dabei seine Seele verliert. Und manchmal sagt er einfach Nein. Dass ein Label seine Tracks ungefragt auf Spotify beschnitten hat, hat ihn entsprechend geärgert.
KI in der Musikproduktion: Werkzeug statt Würfel
Bei KI ist Gregor differenzierter, als man zunächst denkt. Als Werkzeug nutzt er sie längst, etwa Moises für die Stem-Separation, um Edits für seine DJ-Sets zu bauen. Was er ablehnt, ist das generative Würfeln, bei dem man nur noch Entscheider ist und die eigentliche kreative Arbeit an die Software abgibt.
Trotzdem ist er neugierig. Nach Computer und Synthesizer sei seit den 90ern nicht mehr viel wirklich Neues passiert. Vielleicht, sagt er, ist KI die nächste echte Revolution. Spannend findet er den Ansatz, KI als Sample-Quelle zu behandeln, statt als Ersatz für die eigene Handschrift.
Das können nur Leute machen, die keinen Wert in ihrer eigenen Musik sehen. Gregor Tresher im SINEE Cast #7
Remixe für The Cure und die Arbeit mit Sven Väth
Der Weg zu einem offiziellen Remix läuft fast immer über eine Anfrage von außen, dann folgt eine Verhandlung über Budget, Publishing und Timing. Bei The Cure und Depeche Mode war es persönlicher. Den The-Cure-Remix hat Gregor auf eigene Faust angefangen, das Original von 80 auf 120 BPM hochgezogen und Robert Smith die Demo über ein paar Ecken zukommen lassen. Er fand ihn geil. Genau das, sagt Gregor, ist der Lohn, wenn Menschen, die man für ihre Kunst respektiert, auf die eigene Arbeit anspringen.
Ähnlich der Wendepunkt bei der Zusammenarbeit. Jahrelang hat Gregor allein produziert, aus Angst, dass gemeinsame Musik immer ein Kompromiss sei. Das Katharsis-Album mit Sven Väth hat diese Überzeugung gekippt. Und noch etwas nimmt man aus der Folge mit: Seine größten Hits, Thousand Nights oder Goliath, sind musikalisch meist an einem halben Tag entstanden. Nicht die wochenlang geschraubten Nummern werden groß, sondern die, bei denen es fließt.
Die ganzen Tracks, die Hits wurden, die habe ich meistens an einem halben Tag gemacht. Gregor Tresher im SINEE Cast #7
Wer tiefer in Gregors Arbeitsweise eintauchen will, findet seine komplette Online Masterclass im SINEE Studio, in der er einen Track from scratch aufbaut. Die ganze Folge gibt es jetzt auf YouTube und Spotify. Wenn dir der SINEE Cast gefällt, abonniere die Reihe, lass einen Kommentar da und sag uns, welchen Gast du als Nächstes hören willst. Die nächste Folge erscheint in zwei Wochen, Donnerstag 18:00 Uhr. Wie immer.