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SINEE im Fazemag: 90s Techno – Tricks & Tipps zu Old School Techno Sound

SINEE im Fazemag: 90s Techno - Tricks & Tipps zu Old School Techno Sound 1

In diesem Artikel wollen wir mit euch zurückblicken und die Anfänge unserer geliebten Technomusik in den 90’er Jahren  anschauen. 90s Techno oder Old School Techno erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit. Darum erinnern wir uns umso lieber noch einmal daran, wo der Sound seine Wurzeln hat.

Einige von euch waren womöglich schon alt genug für die Tanzfläche und die ersten Ansammlungen von Vinyl. Andere wiederum waren Kinder, die staunend vor dem Fernseher standen und den ersten elektronischen Klängen auf MTV lauschten. Wir nehmen euch mit auf eine kleine Reise von den Anfängen elektronischer Musik Ende der 1980’er bis zum Beginn der 2000’er Jahre.

90s Kult ist techno Kult

Mit Schlaghose und Buffalos bekleidet, die Thunderdome ’96 im Discman während im Fernseher die Live Übertragung der Love Parade läuft. Viele haben so die 90’er Jahre in Erinnerung. 

In Deutschland bedeutet 90’er Kult vor allem auch Technokult. Viele Künstler aus dem deutschsprachigen Raum waren nämlich maßgeblich daran beteiligt, elektronischen Sound zu entwickeln. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus Detroit und Chicago verheirateten sie Genres wie Elektro-Pop, Acid-House und Funk miteinander und machten daraus etwas ganz Neues.

Wir gehen zunächst aber noch ein Stück weiter zurück, um die Geburtsstunde unserer Musik ausfindig zu machen. 

Die Stunde Null

Mit der Veröffentlichung des TR-808 Rhythm Composers fing 1980 alles an. Weitere drei Jahre später waren auch die Geschwister TB-303 und TR-909 auf dem Markt erschienen und lieferten damit den Grundstein für moderne Musikproduktionen verschiedener Genres, vor allem aber für die elektronische Musikrichtung. 

Schon zur Geburtsstunde des Genres zeigt sich das experimentelle in allen Facetten. Die Drumcomputer und der Basssynthesizer wurden nämlich für eine ganz andere Zielgruppe entwickelt. Sie sollten Gitarristen, Bassisten und Drummern beim Üben ihres Instrumentes helfen, sodass sie auch ohne Anwesenheit der Band zuhause spielen konnten. 

Die Geräte wurden aber lieber von Menschen gekauft, die begannen, damit eigenständige Musik zu machen. Das tolle ist, sie kamen einfach auf die Idee das zu tun, denn es gab ja keine Empfehlung des Herstellers, welche Klänge mit welchem Gerät erzeugt werden können. 

Die Bedroom-Producer der ersten Stunde tweakten also wie verrückt an den neuen Geräten bis schließlich einige gefallen daran gefunden hatten, die quietschenden Resonanzen aus der TB-303 als musikalisch anzusehen.

Kombiniert mit den Drums aus 808 oder 909 war der Acid-House Mitte der 1980’er in Amerika geboren. Kurze Zeit später schwappte die Acid-House-Bewegung auch nach Europa und bekam in England ihr berühmtes Smiley-Logo, das ursprünglich vom Flyer einer Partyreihe stammt. 

Die Geschichte der Drum Machines haben wir übrigens ganz im Detail in einem Video für euch festgehalten! Wenn ihr wissen wollt, welche die allererste Drum Machine der Welt war und wie sich die Technik innerhalb von 50 Jahren entwickelt hat, schaut unbedingt in unsere History of Drum Machines rein.

Summer of Love

Die erste Love Parade, die damals nur ein kleiner Zug aus wenigen Acid-House-Begeisterten war, wurde 1989 veranstaltet. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen sagt man jetzt rückblickend, dass dies der zweite Summer of Love in Deutschland war. 

Westbam und Dr. Motte lieferten alljährlich die Hymne zur Love Parade. Wenn man damals das TV einschaltete oder sogar das große Glück hatte, bei einer Love Parade dabei gewesen zu sein, dann kam man auch um Marusha Vocals nicht drum herum. Auf den Wägen und an der Siegessäule standen Acts wie der junge Chris Liebing, Sven Väth oder Monika Kruse an den Plattentellern.

Der Sound der Love Parade war wie die 90’er selbst, extrem vielseitig und kompromisslos, wenn es um Genremischungen ging. Rap, Trance, Electro, Breakbeat, Acid-House und Schranzige Nummern — all diese Genres wurden von DJs oft in einem Set durchgearbeitet. 



90s Techno: Mainstream & Underground

Wir sind mittendrin in den 90’er Jahren: Die Charts werden gestürmt von Titeln wie „I Wann Be a Hippie“, „What is Love“ und „It’s my Life“. Im Mainstream beginnt der große Eurodance Hype. Auch hier haben wir freche, laute Frauenvocals im Vordergrund, gelegentliche Rapeinlagen und auch Breaks finden ihren Weg in die Chartmusik der 90’er Jahre.

Im weniger kommerziellen 90s Techno Bereich finden wir einige dieser Elemente wie Breaks und kurze Rap-passagen auch, aber der gesamte Sound kommt in einem brachialeren Gewand daher.

Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass der 90s Techno Sound böser oder dunkler klang. Mit Brachial ist hier eher der Mixdown gemeint, die wichtigen Sounds für den Dancefloor wie Kick und Mainsynth sind im Mix weiter vorne, die HiHats peitschen mehr als im Mainstream, das Sounddesign und die Arrangements sind insgesamt technoider.

Die Produktionen sind also mehr für den Rave ausgelegt, als für die Radioshow oder die Charts, besonders bezogen auf Titellänge und Progressivität.

90s Drums

Das Tempo ist allgemein in dem Jahrzehnt ziemlich schnell. Außerhalb von Hip Hop haben wir ziemlich zügigen Tanzschritt, meistens etwas mehr oder weniger als 140 bpm. 

Die 90s Techno Drums kommen aus den oben genannten Drumcomputern 808 oder 909. Dabei wird das gesamte Kit rauf und runter gespielt — inklusive Cowbell und schon fast inflationär verwendetem Rimshot.

Wenn ihr den 90s Techno Sound nach produzieren wollt und euch ein solcher Drumcomputer in eurem Studio fehlt, gibt es unzählbar viele 808 oder 909 Samplepacks –  von Anbietern wie Samples from Mars übrigens in ausgezeichneter Qualität. Es gibt die Drumcomputer mittlerweile auch als Plugin Emulationen, die ebenfalls eine wunderbare Alternative zu dem Original darstellen.

Analoge Sound-Emulation

Um den analogen Sound der 90’er Jahre in einem digitalen Studio zu imitieren, gibt es ein paar Tricks, die man anwenden kann.

Analoge Synthesizer haben immer ein Grundrauschen, dass dem Track etwas organisches und lebendiges verleiht – es gibt dem Mix eine natürliche Atmosphäre.

Wenn ihr rein digital arbeitet, könnt ihr mit dem Operator und der Noise-Funktion ein Grundrauschen erzeugen, dass ihr dem Track nur ganz leise (!) hinzu mischt. Man darf das Grundrauschen im Mix nicht explizit hören, aber man muss es fühlen können. 

Ein weiterer Trick, um dem 90s Techno Sound noch ein Stück näher zu kommen, ist, dass man damals nicht so sauber ausproduziert hat, wie wir das heute gewohnt sind.

Die charakteristische Resonanz der klassischen 909 Open Hihat im 3-5 Kilohertz-Bereich muss zum Beispiel nicht komplett herausgezogen werden. Etwas quietschen hier und fiepen da gehört zum 90’er Jahre Technosound eben einfach dazu. 

90s Techno Sounds

Zu den wichtigen tonalen Soundtypen gehören Stabsynths, die ihren Punch durch eine kurze Attack sowie kurze Decay und Releasezeit erhalten.

Der ravige Sound wird außerdem durch den Einsatz von Hooverbässen unterstützt, der seine Grundcharakteristik vor allem durch die extrem eingestellte Pitch Envelope und zwei zueinander verstimmten Oszillatoren erhält. Original stammt der Sound aus dem Juno Synthesizer von Roland.

In unserem Bundle „The First Decade“ findet ihr zum Beispiel Hooverbässe und Stab Sounds der alten Schule als Ableton Live Instrument Racks, mit denen ihr intuitiv die Sounds auch verändern könnt.

Der Break Generator liefert euch sofort verschiedene Breaks, die ihr in eure Technoproduktionen einarbeiten könnt, um noch mehr 90’er Jahre Feeling aufkommen zu lassen. 

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