SINEE Cast #001: Robert Babicz über 36 Jahre Musikproduktion, Happy Accidents und warum die Mittelklasse gerade verschwindet
Wir starten unseren eigenen Podcast: den SINEE Cast. Ab sofort spricht Björn Torwellen alle 14 Tage mit wechselnden Gästen über Musikproduktion, Techno-Kultur, das Leben als Künstler und die Hintergründe der Musikindustrie. Den Auftakt macht eine Legende: Robert Babicz, alias Rob Acid.
Ein neues Format für eine alte Liebe
Es gibt unzählige Tutorials, hunderte Plugin-Reviews und gefühlt jeden Monat einen neuen Producer-Trend. Was wir vermisst haben, sind die ehrlichen, langen Gespräche. Die, in denen jemand 36 Jahre Erfahrung auf den Tisch legt und nicht versucht, irgendetwas zu verkaufen. Genau das ist die Idee hinter dem SINEE Cast. Wechselnde Gäste, ein offenes Mikrofon, und Themen, die in keinem Tutorial Platz finden: Studio-Workflows, die Realität der Musikindustrie, Techno als Kultur, und das ganz normale Leben als Künstler dazwischen.
Für die erste Folge konnten wir uns keinen passenderen Gast wünschen. Robert Babicz, vielen besser bekannt als Rob Acid, produziert seit 1990 Musik, hat über 1000 Releases veröffentlicht und sein Studio inzwischen nach Malta verlegt. Er ist einer der wenigen, die die komplette Geschichte elektronischer Musikproduktion live miterlebt haben, vom Amiga-Tracker bis zum KI-Agenten.
Vom Kassetten-Master in die englischen Charts
Robert erzählt im Cast Geschichten, die heute fast unwirklich klingen. Sein erstes Release wurde direkt von einer Mono-Kassette gepresst, weil er kein zweites Master hatte. Sein berühmter, verzerrter 303-Sound entstand, weil er das Gerät versehentlich in den Phonoeingang seines DJ-Mixers steckte. Und sein erster Plattendeal kam über eine Anzeige in einem Musikmagazin zustande, ähnlich wie eine Kontaktanzeige.
Genau aus dieser Phase stammt eine Beobachtung, die sich wie ein roter Faden durch das Gespräch zieht: Die spannendste Musik entstand oft nicht trotz, sondern wegen der technischen Begrenzung.
„Happy Accidents waren total normal. Einige meiner Titel von damals waren deswegen so cool, weil ich im richtigen Moment den falschen Regler hochgezogen habe. Das machst du heute am Rechner nicht mehr. Heute ist alles überlegt." Robert Babicz im SINEE Cast #001
Was sich in 30 Jahren wirklich verändert hat
Im Cast geht es weit über Nostalgie hinaus. Robert und Björn sprechen über die harten Realitäten von 2026: 12 Millionen Artists laden jährlich Musik auf Spotify hoch, 86 Prozent davon erreichen nicht einmal 1000 Plays. In Berlin planen fast die Hälfte aller Clubs ihre Schließung. Gleichzeitig wächst der globale Markt für elektronische Musik weiter und konzentriert sich an der Spitze. Roberts Diagnose ist nüchtern: Die Mittelklasse der Künstler wird gerade ausradiert. Die Großen ziehen das Geld nach oben weg, von unten drücken Newcomer, die teilweise sogar dafür bezahlen, überhaupt spielen zu dürfen.
Ein anderer großer Block der Folge dreht sich um KI. Robert hat dazu eine erfrischend unaufgeregte Haltung, weder Untergangsstimmung noch Hype.
Die einzige Antwort auf den Lärm: bei sich bleiben
Auf Björns Abschlussfrage, was er einem jungen Producer im Jahr 2026 mitgeben würde, kommt von Robert keine Lebenshack-Liste, kein Plugin-Tipp, kein Social-Media-Trick. Sondern ein Satz, der nach 36 Jahren Studio die ganze Folge zusammenfasst.
„Erwartungen erfüllen ist das Ende von Kreativität. Mach die Musik für dich. Ich bin mein eigener größter Fan, und jeder Hörer, der dazukommt, ist Bonus." Robert Babicz im SINEE Cast #001
Die ganze Folge, mit allen Stories, Zahlen und der Vision, wie Musikproduktion in 30 Jahren aussehen könnte, gibt es jetzt auf YouTube und Spotify. Wenn dir der SINEE Cast gefällt, abonniere uns dort, lass einen Kommentar da und sag uns, welchen Gast du als Nächstes hören willst. Die nächste Folge erscheint in zwei Wochen, Donnerstag 18:30 Uhr. Wie immer.