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Die frühen Anfänge

1959 war der Chamberlin Rhythmate eine der ersten kommerziell erhältlichen Drum Machines. Die Rhythmen waren auf Magnetbändern aufgenommen und liefen in Endlosschleife. Die Geschwindigkeit (BPM) konnte lediglich durch die Abspielgeschwindigkeit des Bandes geändert werden. Großer Nachteil war natürlich, dass die Bänder sich mit der Zeit abnutzten und zunehmend rauschten.

Der Wurlitzer Sideman war dagegen technisch schon viel weiter. Über kleine Transistoren und Röhren wurden einfache Versionen von Perkussionsinstrumenten nachgebildet. Die Klänge konnten zwar einzelne abgespielt werden, waren aber immer noch an die vorgegebenen Rhythmen der rotierenden Holzplatte im Innern vorgegeben.

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Kurz darauf begann man ähnliche Apparate in Fern-Ost herzustellen, und der Markt/Wettbewerb um Rhythmusmaschinen war geboren. Obwohl sie damals hauptsächlich als Begleitung für Instrumente oder Tanzveranstaltungen gedacht waren, brachten die neuen Geräte immer bessere Features mit sich.

Ganz vorne mit dabei waren die Hersteller Keio-Giken und Ace Tone, die später den Namen “Korg” und “Roland” bekamen. Die elektronische Klangerzeugung stand hier im Vordergrund und obwohl die früheren und günstigeren Modelle nur Potis für Lautstärke und Tempo hatten, kamen nach und nach mehr Möglichkeiten der Klangveränderung hinzu. Bei dem Keio-Giken Mini Pops gab es Lautstärke-Regler für 3 Instrumente, bei dem Elka Studio Drummer One dann für alle 9. 

Somit könnte man (mit viel Fantasie) sagen, dass Elka Drummer One die erste studiotaugliche Drum Machine war, denn nun konnte man die einzelnen Instrumente immerhin schon ein in ihrer Lautstärke nachregeln. Von MIDI-Sync war man damals noch weit entfernt.

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Die erste Drum Machine, die es dann tatsächlich auf einen Hit-Song geschafft hat, war Maestro Rhythm King. 1971 landeten Sly and the Family Stone den Nummer-eins-Hit “It´s a family affair” 


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Maestro Rhythm King besitzt 19 Tanz-Rhythmen, deren Instrumente sich einzeln auswählen und in ihrer Lautstärke verändern ließen. Ähnlich wie beim Elka Drummer One hatte man so schon gewissen Handlungsfreiraum, aber die Rhythmen ließen sich trotz Lautstärke-Regler nicht verändern und so war bei Bedarf im Studio noch immer Handarbeit gefragt. (Tonband neu zusammenkleben) 

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16 STEPS – schon der 1969er Rhythm Ace hatte dieses Design, das später ikonisch wurde. Allerdings waren die Taster hier noch für die Auswahl der Tanz-Rhythmen und nicht die 16tel Noten eines Taktes.

Ikutaro Kakehashi, Gründer der Firma Ace Tone und nun auch Roland, wussten genau den Bedarf nach selbst programmierbaren Rhythmen abzudecken. 1978 erschien mit dem CompuRhythm die erste Drum Machine mit Microprocessor, um eigen erstellte Rhythmen abspeichern zu können. 

In der Klänge-/Instrumenten-Sektion war schon eine Funktion dabei, die später bei Drum Machines gar nicht mehr wegzudenken war: der Accent! Was wir heutzutage über MIDI-Velocity, also Anschlagsstärke regulieren, war damals eine Betonung, die ein Klangereignis doppelt so laut werden ließ um eine Betonung o. a. “Phrasierung” zu geben.

Die vorgegebenen Rhythmen des CR-78 waren noch immer an den traditionellen Tanzrhythmen ausgerichtet und die Klänge wurden ebenfalls noch mit Transistoren erzeugt. 

Die größte Schwachstelle des Geräts war also die synthetische Klangerzeugung, die in keiner Weise realistisch klang , aber Jahre später Kultstatus erlangte:

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Phil Collins war im selben Jahr mit seiner Band Genesis auf Tour in Japan und bekam einen CR-78 geschenkt. In seinen Augen waren Drum Machines nett für perkussive Sounds, stellten allerdings nie eine Bedrohung für sein echtes Schlagzeug dar. Nichtsdestotrotz ist der CR-78 deutlich im Intro von seinem größten Hit “In the Air tonight” zu hören. Ob benutzerfreundliche Bedienung oder doch charakterlicher Charme – die Drumcomputer von Roland traten immer wieder mehr oder weniger überraschend in das Rampenlicht der Musikgeschichte.

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Der Musiker und äußert talentierte Hobbytüftler Roger Linn deckte praktisch zeitgleich die Nachfrage nach einem realistisch klingendem Drumcomputer ab. Im Jahr 1978 begann er den LM-1 als ein Begleitinstrument für sein Heimstudio zu entwickeln. Er wollte „Eine Drum Machine, die mehr konnte als nur voreingestellte Samba-Rhythmen abspielen und dabei wie eine Grille klingen.” 

Linn LM-1 war die erste Drum Machine, die Klänge von Samples abspielte, anstatt sie synthetisch zu generieren. Dafür entnahm er einen Sampling Chip aus einem Roland Stimm-Recorder. Die damaligen Chips zum Speichern der Samples waren noch alles andere als leistungsfähig und so konnte ein Sample maximal eine Sekunde lang sein und mit einer ‘Auflösung’ von 8 Bit Tiefe gespeichert werden. Das veränderte den Klang stark und so hatten alle frühen Sampler eine ganz eigene Klangcharakteristik. Aufgrund der kurzen Aufnahmezeit waren keine Cymbals wie Ride oder Crash enthalten.

Da der Fokus hier auf das Live-Einspielen gelegt war, etablierte Roger Linn sowohl die Quantisierung (“Quantize”), als auch die zeitliche Verzögerung einiger Noten (“Shuffle”)  für ein natürlicheres/menschlicheres Gefühl. Bei Swing ist es bspw. die Verzögerung jeder zweiten Note. 

Linn LM-1 wurde in den nächsten vier Jahren insgesamt 525 mal verkauft, worauf das überarbeitete Model LinnDrum produziert wurde. Bis heute gehört dieses Instrument zu den meistgesuchten Raritäten. Prince, Madonna, Falco, Michael Jackson, Peter Gabriel, Human League u.v.m. benutzten diese Drum Machine.

80er – die goldenen Jahre der Drum Machine

Frisch auf dem Synthesizer-Markt etabliert, begann Tom Oberheim einen wettbewerbsfähigen Konkurrenten für die LinnDrum herzustellen. 1980 kam der Oberheim DMX raus, der in seinen Funktionen eingeschränkter war aber nur halb so viel kostete.

Nachfolger war das hier abgebildete Model DX.

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1982 kam wahrscheinlich Rolands größter Flop raus – die krampfhaft gewollte Kombination aus Drums und Bass in zwei klitzekleinen grauen Synthesizer Gehäusen. 

Der metallische/dissonante Klang der TR-606 Drumatix half nicht grade zu einem Durchbruch. Der einzige Vorteil: Es konnte Sequenzen wechseln, während man abspielte.

So landeten diese beiden Geräte zunächst eher im Lagerregal. Bis das Potential der Filter-Resonanz im TB 303 BassLine gefunden wurde. Der Klang sowie das Instrument sind seit dem nicht nur Begriff sondern Bestandteil der elektronischen Musik.

Noch im gleichen Jahr – 1980 – kam auch Rolands neustes Flagschiff auf den Markt. Nach dem Motto “jetzt erst recht!” bot die Transistor Rhythm-808 noch immer ausschließlich Rolands typischen synthetisierten Drum Sounds an. Obwohl auch diese Drum Machine bei Veröffentlichung floppte, ist es heutzutage zweifellos die bekannteste. Die tiefe, lange Kick und die dünnbandigen, scharfen Snares & Cymbals erlangten im HipHop großen Kultstatus.

Auch Techno wurde mit der 808 produziert. Plastikman – Spastik ist zum Beispiel vollständig aus 808-Klängen (respektive zusätzlicher FX) generiert.

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Günstigere Alternativen, wie E-mu Drumulator begannen 1983 den großen Herstellern ernstzunehmende Konkurrenz zu leisten. Ähnlich, wie auch schon Oberheim D(M)X waren Spezifikationen, wie Sample Länge und Qualität noch ausbaufähig, aber die Funktionen waren beinahe Deckungsgleich. Mit Accent / Quantize / Swing waren die Grundfunktionen einer damaligen Drum Machine erfüllt. Vor allem für Hip Hop-Künstler waren diese “günstigeren” Alternativen wesentlich attraktiver.

Auf der NAMM Show 2020 in Anaheim wurde ein 35 Jähriges Jubiläumsstück der SP1200 veröffentlicht. Die SP12 und SP1200 waren die Sampler des goldenen Hip Hop-Zeitalters.

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Ebenfalls 1983 kam Rolands erste Hybrid-Drum Machine auf den Markt. Die Cymbals, also Ride und Crash sowie Hi Hat waren auf Sample-Chips gespeichert, während der Rest der Klänge noch immer mit Transistoren erzeugt wurde. Die Kick war nun nichtmehr resonant und lang, sondern kurz und knackig. Alle Sounds klangen im Frequenzspektrum mittiger und waren somit durchsetzungsfähiger – egal womit sie kombiniert wurden.

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1984 hatte der DJ Frankie Knuckles sich schon einen Namen im Warehouse Club Chicago gemacht und seinen eigenen Club “Power Plant” eröffnet. Ein junger DJ namens Derrick May fuhr oft den Weg von Detroit nach Chicago um Knuckles spielen zu sehen und war schließlich derjenige, der ihm die erste 909 verkaufte. Zusammen mit Disco-Platten funktionierte der Kickdrum Sound der 909 phänomenal und ist je her mit seinem stampfenden “four to the floor”-Rhythmus der größte Wiedererkennungswert von House und Techno.

In den späten 80ern und 90ern  entdeckte die zweite Welle der Detroit-Künstler einen härteren, brachialeren Klang , in dem die 909 absichtlich übersteuert und schneller abspielt wurde. Jeff Mills hat den Sound weiter getragen als jeder andere und schaffte so den de facto Klang des schnellen, härteren Technos, wie etwa in “Changes of Life” zu hören ist.

Die 909 war ebenfalls die erste Drum Machine mit einer MIDI-Schnittstelle, was sie zur unschlagbaren Studio-Waffe machte. Obwohl Phil Collins gesagt hatte, dass er in Drumcomputern nur perkussive Begleitung sieht, waren die Drums in seinem 85er Hit “Sussudio” ausschließlich 909 Drums (mit Gated Reverb Effekt).

1984 brachte Roger Linn seinen neuen Meilen-stein heraus. Linn 9000 hatte zum ersten mal Gummi-Pads zum einspielen – ein ergonomisches Update zu den bis dato nerdigen Computer-Tasten.

Die Auflösung lag bei 11 kHz – 37kHz (je nach Länge) und 8bit Tiefe digital aufgenommenen Samples. Auf der Floppy Disk ließen sich 100 Drum-Sequenzen oder 100 MIDI-Sequenzen speichern.

Trotz dem frischen Wind und 1100 verkauften Einheiten (bei einem Preis von damaligen 5000 – 7000 USD) machte Linn Electronics keinen allzu großen Gewinn, weshalb es 1986 schließen musste.

1988 bekam Roger Linn ein Angebot aus Japan und half Akai dabei mit seiner Erfahrung das erste „MIDI Production Center“ -oder kurz MPC – zu bauen.

 

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